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Alles nur im Kopf? - Der Psychostempel im medizinischen Alltag

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Immer wieder war und bin ich auf der Notfallstation konfrontiert mit Patienten die zum Beispiel über Bauchschmerzen, Brustschmerzen, Palpitationen (Herzklopfen,  Herzstolpern) usw. klagen, in sämtlichen Untersuchungen aber keine Abweichungen vom Normalbefund feststellbar sind, die Ursache unklar bleibt. Oder die Symptome immer wieder kehren, weshalb dann schon verschiedene Ärzte konsultiert wurden.

So kommt dann mal die Frage auf: “Alles nur psychisch oder was?!“ Patienten fühlen sich manchmal auch zuwenig ernst genommen, obwohl sie physisch gründlich abgeklärt wurden. Äussern, dass sie sich das doch nicht einbilden.

Die einen sind einfach beruhigt, dass es dann wohl nichts „Schlimmes“ ist und zotteln zufrieden davon mit ihrem Rezept für symptomatische, medikamentöse Therapie.

Doch dann sind da noch die anderen, die sich fragen, warum sie das denn haben und nach Antworten suchen. Die sagen, ich habe doch keinen an der Waffel, da muss doch was sein. Genau. Diese Fragen hatten mich auch beschäftigt und mich damals zu weiteren Aus- und Fortbildungen bewegt. Da muss etwas sein. Sonst würde der Körper nicht reagieren, Kompensationsmechanismen spürbar aktivieren. Doch Kompensation oder Reaktion worauf? Psychologie wird im Gehirn zu Biologie.


Einfache Worte mit grosser Bedeutung. Eine erwiesene Tatsache, die dem Psychostempel den negativen Touch nehmen kann. Denn Gedanken und Gefühle beeinflussen die biologischen und chemischen Prozesse in unserem Körper, welche dann von funktionellen bis zu strukturellen Veränderungen führen. Bei uns allen. Unbemerkt oder spürbar bis schmerzhaft.

Dies ist zwar bekannt und akzeptiert in der Gesellschaft wenn da zum Beispiel sichtbare Tränen, Mimik und Geräusche des Weinens sind, welche durch das unsichtbare Gefühl der Trauer entstehen. Oder sichtbare Röte im Gesicht durch das unsichtbare Gefühl der Scham. Herzklopfen und feuchte Hände bei Nervosität vor einer grossen Prüfung. Dies sind nur wenige Beispiele für körperliche Reaktionen auf Gefühle und Gedanken. Doch unser Körper reagiert nicht nur auf bewusst wahrgenommene Gefühle und Gedanken, sondern vor allem auch auf Unbewusste. Entwicklungsgeschichtlich bedingt reagieren wir häufig auf Instinktebene, also unbewusst auf Situationen, die uns bedrohlich erscheinen oder von welchen Informationen und Erfahrungen gespeichert sind, die diese als Bedrohung einstufen. Dies können bestimmte Personen, Orte, Gerüche, Farben, Situationen, Worte usw sein.

Da das Unterbewusstsein 10'000-mal schneller arbeitet als unser Verstand und 95% unserer Aktivitäten unbewusst ablaufen, kommt es häufig vor, dass wir die Zusammenhänge zwischen einem Ereignis und einer entsprechenden Reaktion nicht erkennen. Wenn du dich also schon mal nicht ernst genommen gefühlt hast von deinem Arzt, die Ursache deiner Symptome physisch nicht gefunden wurde, deine Beschwerden als psychisch bedingt abgestempelt wurden, dann kannst du dich vielleicht auch ein bisschen freuen, weil im Moment zumindest keine Veränderungen nachweisbar sind, die aktuell lebensbedrohlich wären und eine sofortige Therapie erfordern. Du musst auch nicht traurig sein, weil du anscheinend ein psychisches Problem zu haben scheinst, sondern daran denken, dass du einfach biologische Reaktionen zeigst auf seelische oder geistige Themen die dich beschäftigen, womöglich sogar ohne dass du dir dessen bewusst bist.

Der Verstand ist ein Rechner und ein Koppler, sozusagen ein Computer. Computer wiedergeben und arbeiten mit Daten die eingegeben werden. Wenn Daten falsch oder unvollständig eingegeben werden, dann ist die Rechenleistung nicht zuverlässig. Wenn dein Verstand also nur integriert was er bewusst wahrnimmt, dann fehlen die unbewussten Wahrnehmungen für die Informationsverarbeitung und raus kommt ein falsches Bild, unvollständige Daten. Der Computer spinnt! Das Gute an den medizinischen Abklärungen ist, dass sie Gewissheit bringen. Und Beruhigung in diesen Fällen. Für den Moment zumindest. Doch es lohnt sich, vor allem langfristig gesehen und bei chronischen Themen sich Gedanken über mögliche Ursachen zu machen und so vielleicht auch Lösungen zu finden.

Dabei kann es helfen zu überlegen, welche Funktion das betroffene Organ oder Körperteil physisch einnimmt und diese kann auf seelische und geistige Themen übertragen werden. Der Magen- Darm Trakt zum Beispiel beschäftigt sich mit der Verdauung. Nicht nur von physischer Nahrung, sondern von allem, was von innen und von aussen auf den Menschen einwirkt und verdaut werden muss. Wie zum Beispiel Ärger. Wer oder was lässt dich "Gift und Galle spucken", "Schlägt dir auf den Magen?".

Oder das Herz. Herzrythmus gleich Lebensrythmus. Was lässt dein Herz aus dem Takt geraten? "Bricht dir das Herz?" oder "Nimmt dir den Atem?"


Das Herz erzeugt mit jedem Schlag elektrische Aktivität, die im EKG gemessen werden kann.  Zwischen jedem Herzschlag gibt es eine kurze Pause. Diese Pausen variieren je nach körperlicher und emotionaler Lage. Man nennt dieses Phänomen  die Herzfrequenzvariabilität. Bei Wut, Ärger, Angst oder anderen negativen Gefühlszuständen sind die Abstände zwischen den Herzschlägen unregelmässig, was zu einer chaotischen Herzfrequenzvariabilität führt. Bei positiven Emotionen sind die Abstände zwischen den Herzschlägen viel regelmässiger und harmonisch.

Ausserdem reagiert das Herz viel schneller als das Gehirn auf äussere Reize. Auch das elektrische Feld des Herzens ist bis zu 100-mal und das magnetische Feld sogar bis zu 5000-mal stärker als das des Gehirn.

Kein Wunder also, dass wir besonders auf Herzensangelegenheiten körperlich reagieren. Doch dafür haben wir keine Messmethode im Spital. Danach fragt leider auch kaum jemand. Das würde den Zeitrahmen sprengen. Umso schöner, dass es da noch andere, ganzheitliche Therapiemöglichkeiten gibt, die dich dabei unterstützen können deine Selbstwahrnehmung zu verbessern, damit du Handlungsmöglichkeiten und den Lebensrythmus wieder finden kannst, der dir gut tut, in dem du dich wohl und gesund fühlst. Vielleicht reicht aber schon dein eigenes Gefühl, deine Intuition, um dies heraus zu finden.

Die Natur ist klüger als der menschliche Verstand. Sie ist perfekt organisiert, passt sich immer wieder den Umständen an und macht nicht einfach ständig "Fehler." Menschen, Tiere, Pflanzen.

Es lohnt sich also einfach genau auf deinen Weg zu achten, um zu sehen wo die grossen oder kleinen Stolpersteine liegen. Diese kann man dann ignorieren, umgehen, drauf stehen bleiben, drüber stolpern, wegräumen (falls sie nicht zu schwer sind) oder die Route anpassen. Das liegt in deiner Hand…


Alles nur im Kopf also? Ja und nein. Das ist normal, menschlich und physiologisch. Ich denke diese Physio-Logik der Bio- Logik gilt es nicht auszublenden, sondern anzuerkennen und zu integrieren.

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