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  • BernetL

Natur pur und Notfallmedizin- geht das?

Ich werde häufig gefragt, wie sich das denn vereinbaren lässt, gleichzeitig als Komplementärtherapeutin und als Notfallpflegende tätig zu sein. Eine berechtigte Frage. Denn tatsächlich ist das nicht immer einfach.

Die westliche Medizin ist stark körper-und symptomorientiert und in erster Linie geht es darum "Pathologien wegzumachen" durch Medikamente oder Interventionen und Operationen, was durch die zunehmenden Spezialisierungen eher zunimmt. Vor allem auch der finanzielle Druck im Gesundheitssystem leistet aber einen grossen Beitrag dazu, dass das Menschliche verloren geht, da für die Erfassung der Gesamtsituation eines Menschen schlichtweg die Zeit fehlt.


Nach einer Schicht auf der Notfallstation bin ich einfach froh, wenn alle Patienten (kreislauf)stabil sind, suffizient atmen und ihre Diagnostik und therapeutischen Massnahmen zeitgerecht erhalten haben. Glückspilze bekommen auch mal was zu essen, wenn ich die Essbestellung in der Hitze des Gefechts nicht vergessen hab.

Und oft denke ich, wie gut, dass es Spitäler, Medikamente, Ärzte, usw. gibt!


Die fernöstliche Medizin betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele, bezieht Lebenssituation und Ernährung in die Therapie mit ein und konzentriert sich in erster Linie auf die Ursache von Beschwerden. Therapeutische Massnahmen setzen sich zusammen aus verschiedensten Arten manueller Körpertherapien sowie Rezepturen aus Pflanzen und Kräutern, die uns die Natur liefert.

In der Komplementärtherapie geht es unter anderem darum, die Selbstregulation in allen drei Ebenen zu stärken, die Selbstwahrnehmung zu fördern und den Klienten in seiner Genesungskompetenz zu unterstützen. Oder einfach gesagt, den Klienten darin zu unterstützen, mit der aktuellen Situation umzugehen, sie zu bewältigen, zu verbessern, zu verstehen und daraus zu lernen.


Der aufmerksame Leser stellt hier schon selbst fest- das eine schliesst das andere nicht aus. Lücken die in der Schulmedizin bestehen, können durch alternative Therapieformen gefüllt werden, und umgekehrt.


Wenn ich einen schweren Unfall habe, dann bin ich dankbar, wenn die Chirurgen mich wieder zusammenflicken und die Anästhesisten dafür sorgen, dass ich gut schlafe währenddessen. Wenn ich einen Herzinfarkt habe, dann bin ich froh gibt's Kardiologen und Herzkatheter.

Bei vielen anderen weniger akuten Beschwerden, ist man mit anderen Therapieformen aber oft besser bedient.

Manchmal braucht es auch weniger als man denkt. Die steigenden Gesundheitskosten und überlasteten Arztpraxen und Spitäler zeigen, dass wir zwar älter werden aber nicht gesünder.

Mehr Eigenverantwortung, Entschleunigung, Achtsamkeit, Naturverbundenheit und gesunder Menschenverstand ohne "Dr. Google" könnten einen guten Beitrag leisten, um vermehrt von:

"Herr Doktor, machen sie mich gesund!", wegzukommen und eher in die Richtung: "Was kann ich tun, dass es mir besser geht?" führen.


Ich kann die Titelfrage also klar mit ja beantworten. Jede Medizin und Therapieform hat ihre Grenzen. Umso schöner, wenn man verschiedene Möglichkeiten nutzen kann. Vorausgesetzt, es wird der eigene Wille respektiert, von allen, und nichts aufgeschwatzt, das dem Betroffenen nicht entspricht.

Im Endeffekt wollen wir ja alle dasselbe für uns und unsere Patienten:

Gesundheit und Wohlbefinden. Doch der Weg dahin ist für jeden ein anderer...



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